Vietnam wird in Bezug auf seine wirtschaftlich ähnliche Entwicklung in Fachkreisen gerne auch als „Little China“ bezeichnet und seit Jahren als Geheimtipp gehandelt. Das mutet, vor allem wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre ansieht, mehr als seltsam an: Seit 2007 verzeichnete man hier über 70% Verluste und das Einzige, was groß war, war die Enttäuschung der Anleger.
Zusätzlich verlor die Landeswährung, der Dong, in den letzten Jahren gegenüber dem US-Dollar 15%. Im Ausland wurde man vorsichtig und zog sich zurück. Lagen die Direktinvestitionen 2008 noch bei 64 Mrd. Dollar, so sanken sie im Jahr 2011 auf 16,3 Mrd. Dollar ab.
Selbst die Unternehmen, die sich Vietnam als Wunschstandort aussuchten, hatten es alles andere als einfach. Der „Easy-of-doing-business-Index“ der Weltbank, der beschreibt, wie schwierig oder leicht es ist, in dem jeweiligen Land ein Unternehmen zu gründen lag auf Rang 93 von insgesamt 183 Nationen. Und – last but not least – nimmt Vietnam auch in der Korruptionsliste einen Platz trauriger Berühmtheit ein. Es liegt mit Rang 120 41 Plätze hinter China (Platz 79). Die Devisenreserven sind mit 15 Mrd. US-Dollar zudem auf dem niedrigsten Stand seit 1994 und können sich auch im übrigen Vergleich nicht gerade sehen lassen. Gab es im Jahr 2009/2010 einen allgemein eher positiven Trend, so ist dieser an Vietnam damals komplett vorbeigegangen.
Warum also einen weiteren Blick nach Vietnam verschwenden, fragen Sie sich vielleicht? Es gibt einige Indizien, die als positive Zeichen der Zeit gewertet werden können: Die Inflationsprognose wurde für das Jahr 2012 auf „nur“ 8,5% gesenkt. Diese lag im Jahr 2010 noch bei 15%. Das ist zwar immer noch kein kleiner Wert, dieser liegt aber für Schwellenländer, und hierzu zählt Vietnam nun einmal, im Bereich des Erträglichen.
Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) liegt heute bei 10 und lag noch 2007 bei 40. Das Lohnniveau dieses Schwellenlands ist niedrig, die Arbeitskräfte gelten als sehr diszipliniert. Ganz offen gesprochen stellt Vietnam somit eine echte Alternative zum wesentlich teureren China dar. Das BIP (Brutto-Inlandsprodukt) ist um 5,3% gestiegen und wird somit im Jahr 2012 ca. 7% erreichen. Wir sehen nach einer langen Phase der sogenannten Bodenbildung in 2011 (Aktien fallen und bleiben dann auf einem Tiefpunkt, fallen allerdings nicht weiter) eine Trendumkehr.
Dieses Jahr gehören vietnamesische Aktien bereits zu den Top-Performern und es sind weitere Kurssprünge möglich (seit April 2012 bestätigt sich die Trendumkehr zusehends!). Allerdings ist Vietnam bzw. eine Investition dort nur etwas für spekulative Anleger und wir empfehlen auch ausschließlich eine Beimischung mit maximal 5%.
Will man als Anleger in Vietnam investieren, so stehen nicht allzu viele Möglichkeiten offen: Die DB-X-Trackers bieten einen FTSE Vietnam (Mit diesem ETF nimmt man an einem breiten Index teil). In dem von uns gemanagten Dachfonds BB-Mandat Aktienfonds (WKN: HAFX3Y) sind wir seit Anfang März zu 5 % in Vietnam investiert. Die Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen aus dem Ausland sollen zukünftig verbessert werden, allerdings ist es zu diesem Zeitpunkt noch schwer, die Tragkraft dieser Versprechungen abzuschätzen, weshalb wir äußerst wachsam sind und bleiben.


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